Self-Leadership. Sich selbst führen bevor man andere führt?

Wir begegnen Führung überall- Auf der Arbeit, im Sport, innerhalb der Familie und sogar im Freundeskreis. Wir nehmen in den verschiedensten Situationen eine Führungsrolle ein. Zu Führern gehören dabei immer Geführte. Doch stimmt das wirklich? Sollten wir nicht zunächst bei uns anfangen, bevor wir andere führen? Eins steht fest: Führung bedeutet Verantwortung. Ist es also nicht naheliegend, dass nur jene Leute vorbildliche Führung leben können, die in der Lage sind, die Verantwortung zunächst für sich und das eigene Handeln zu übernehmen? Durch welche Strategien diese Selbstbefähigung umgesetzt werden kann, soll mittels „Self-Leadership“ im Rahmen dieses Artikels erläuernt werden.

Was genau ist Self-Leadership?

Self-Leadership stellt Methoden zur Verfügung, die dabei helfen sollen, das eigenes Denken und Handeln zu reflektieren und die persönliche Effektivität durch gezielte Beeinflussung der eigenen Gedanken und inneren Prozesse zu steigern. Die Begrifflichkeit findet dabei fast ausschließlich im Arbeitskontext Verwendung. Die Selbstbeeinflussung erfolgt durch die Anwendung psychologischer Strategien, die zur intrinsischen Motivationssteigerung beitragen, den Spaß an der Arbeitsaufgabe verstärken und die Selbstwahrnehmung verbessern. Das Self-Leadership unterscheidet hierbei drei Strategietypen: Die verhaltensfokussierten Strategien, die Arbeit mit dem natürlichen Belohnungssystem sowie die Strategien der konstruktiven Gedankenmuster.

Verhaltensfokussierte Strategien

Die verhaltensfokussierten Strategien konzentrieren sich, der Wortbedeutung nach, auf die Reflexion und Steuerung der eigenen Verhaltensmuster. Sie helfen zur besseren Organisation und Steuerung der Arbeitsaufgabe. Sie sind in der Regel vor allem für die Bewältigung unbeliebter, aber notwendiger Aufgaben dienlich.

  • Durch Selbstbeobachtung soll Bewusstsein für die eigenen Gedanken, Gewohnheiten und Handlungsweisen geschaffen werden, um diese- falls notwendig- zu verändern.
    Wie handele und agiere ich? Was mache ich richtig, was kann ich optimieren?
  • Selbstzielsetzung stellt die Grundlage zur Zielerreichung und für den Erfolg von selbstgesetzten Zielen dar. Das angestrebte Ziel dient als Motivation und als Kontrollkomponente.
    Welche Ziele habe ich? In welchem Zeitrahmen will ich die Ziele erreichen? Wie kann ich die Ziele SMART formulieren?
  • Selbstbelohnung und Selbstbestrafung dienen vor allem der Selbstzielsetzung. Eine Belohnung stellt einen Motivator zur Zielerreichung dar, während Selbstbestrafung bei Nichterreichung der gesetzten Ziele dazu dient, am Ball zu bleiben.
    Was macht mir Freude? Was nicht? Wie kann ich dies für meine Ziele nutzen?
  • Mittels Selbsterinnerung sollen die zu erledigenden Aufgaben präsent gehalten werden. Als Hilfsmittel dienen hier To-Do Listen, Reminder oder Notizen-Apps. Was muss ich heute noch erledigen? Was kann ich tun, um meinem Ziel näherzukommen?

Natürliches Belohnungssystem

Die natürliche Belohnungsstrategie dient dazu, direkten Einfluss auf die aufgabenbezogene intrinsische Motivation auszuüben. Es werden Aufgaben integriert und fokussiert, die natürlich belohnend wirken. Dadurch soll mehr Begeisterung, Interesse, Spaß und Freude an der Arbeit erzeugt werden.
Welche Aufgaben bereiten mir Freude? Wie kann ich eine Aufgabe so gestalten, dass ich mehr Spaß dabei habe? Welche Aufgaben kann ich in meinen Arbeitsalltag integrieren, um mehr Freude an der Arbeit zu haben?

Konstruktive Gedankenmuster

Positive Gedanken sind ein Schlüssel für effektive Leistungen. Konstruktive Gedankenmusterstrategien helfen dabei, negative Gedankenmuster zu erkennen und sie durch förderliche Gedanken zu ersetzen.

  • Die Imagination erfolgreicher Leistung ist bereits ein bekannter Erfolgsfaktor im Sport. Bei der Imagination des bereits erreichten Erfolges ist die Methode besonders effektiv, da das Gehirn nicht zwischen Vorstellung und erlebter Realität differenzieren kann. Es reagiert unmittelbar auf die positiven Gedanken. So steigt das Zutrauen in die persönliche Leistungsfähigkeit und die Aufgabenbewältigung wird tatsächlich erfolgreicher.
    Welche Bilder kommen mir in den Sinn, wenn ich mir vorstelle, mein Ziel erreicht zu haben? Wie fühle ich mich? Wie verhalte ich mich?
  • Durch die Methode der Selbstgespräche werden Gedanken verbalisiert und verstärkt. Ziel ist es, durch positive Selbstgespräche pessimistische Gedanken zu gestoppt und diese durch konstruktive Gedankenmuster zu ersetzen.
    Was kann ich mir selbst sagen, um mich zu motivieren? Wie kann ich negative Einwände verargumentieren?
  • Das Hinterfragt und Bewerten der eigenen Überzeugungen und Sichtweisen dient dazu, destruktive Überzeugungen zu erkennen, um diese anschließend bewusst zu verändern (siehe Glaubenssätze!). Irrationale Sichtweisen sollen damit durch nutzbringende Gedankenmuster ersetzt werde.
    Welche Überzeugungen haben ich? Wie bin ich zu diesen gelangt? Welche anderen Sichtweisen gibt es? Könnten diese sinnvoller sein?

Zusammengefasst stärken wir mittels Self-Leadership unser Selbst-bewusstsein, werden dadurch authentischer und können destruktive Verhaltsweisen ändern. Wir sind in der Lage, uns zur Zielerreichung zu motivieren und unseren Fokus so ausrichten, dass wir mehr Spaß an unseren Aufgaben haben.

Nun zurück zur einleitenden Frage: Sich selbst führen bevor man andere führt? Für mich ein klares „JA“! Denn nur wer mit sich selbst und seinen Handlungen im Einklang steht und vorbildlich agiert, dem folgen auch andere Menschen gerne.

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Kategorie: People & Psychology
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