Neurowissenschaftliche Erkenntnisse über ein glückliches Leben

Wie führe ich ein gutes Leben? Eine Frage, die Menschen schon seit jeher beschäftigt. Zu dem Thema „Hirnforschung und Glück“ habe ich kürzlich ein spannendes Buch gelesen, dass mich inspiriert hat diesen Artikel zu schreiben und auf dem der Artikel basiert.

Grundsätzlich sei gesagt, dass das Gefühl „Glück“ ein subjektiver Faktor ist. Er lässt sich nicht eindeutig definieren, denn jeder Mensch empfindet Glück anders. Nichtsdestotrotz konnte die Neurowissenschaft vier Faktoren identifizieren, die maßgeblich für ein „glückliches Leben“ verantwortlich sind. Sie aktivieren das Belohnungssystem, schütten Dopamin aus und geben uns Mensch ein Gefühl von einem „gelungen Leben“.

Diese vier Säulen sind:

  1. Stabile Beziehungen
  2. Ein ausgeglichener Stresshaushalt
  3. Selbstwirksamkeit
  4. Kohärenz

Noch vorab: Die Funktionsweise des Gehirns wird durch verschiedenen Einflussfaktoren geprägt; unter anderem durch die Gene, die Kindheit und die Umwelt. Eines der wichtigsten neurowissenschaftlichen Erkenntnisse ist allerdings die Erkenntnis über die kognitive Flexibilität. Sie besagt, dass trotz Prägung das Gehirn ein Leben lang flexibel bleibt. Denken und Gewohnheiten sind veränderbar und auch das Erlernen neuer Dinge funktioniert bis ins hohe Alter. Auch „glücklich sein“ können wir lernen! Denn auch Gefühle sind vergänglich und beeinflussbar. Das ist wichtig zu verstehen; wir sind nicht unsere Gefühlswelt und haben immer die Macht, unsere Lebenssituation positive zu beeinflussen.

Die erste Säule fußt auf stabilen, zwischenmenschlichen Beziehungen. Schon von Geburt an ist die Beziehung zu anderen Menschen (in diesem Fall der Mutter) ein überlebenswichtiger Faktor. Wir sind von Kindesbeinen an auf Nähe und Bindung programmiert und diese Programmierung zieht sich durch unser gesamtes Leben. So haben intakte Beziehungen beispielsweise einen positiven Effekt auf unser Immunsystem und unseren Hormonhaushalt. Sie können helfen, Depressionen zu überwinden, Traumata zu verarbeiten und unseren Stresshaushalt zu regulieren. Toxische Beziehungen hingegen führen zu Stress im System; Sie verursachen physische Krankheiten und psychische Dysbalance- ergo, sie schaden unserer Gesundheit.

Kleiner Exkurs an dieser Stelle: Unsere Beziehungsmuster ziehen sich von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Lernen wir als Kind Harmonie und Geborgenheit kennen, können wir diese Emotionen auch im Erwachsenenalter erfahren. Ein vernachlässigtes Kind wird sich hingegen ein Leben lang schwertun, Liebe und Nähe zu akzeptieren.

Lange Rede, kurzer Sinn: Gesunde zwischenmenschliche Beziehungen tun uns gut! Wenn wir mit anderen Menschen resonieren, empfinden wir Glücksgefühle, die einen positiven Effekt auf unser psychisches du physisches Wohlbefinden haben.

Selbstwirksamkeit beschreibt das Gefühl, „Herr unseres Lebens“ zu sein. Sie macht uns nicht zum Opfer unserer Umstände. Wenn wir uns Selbstwirksam fühlen, wissen wir, dass wir unser Leben selbst gestalten, etwas bewirken und verändern können. Dieses Gefühl ist tief im Belohnungszentrum unseres Gehirns verankert. Wenn wir etwas bewirken wollen, wird der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, der uns neugierig und aktiv werden lässt. Tritt der Erfolg der Handlung wie erwartet ein, wird Dopamin in Morphium umgewandelt; unsere „neuronale Belohnung“ -ein entspanntes Gefühl- ist die Folge. Problematisch wird es, wenn der erwartete Erfolg ausbleibt, denn dann wird das Dopamin in Notadrenalin und Adrenalin umgewandelt. Die Folge: Stress im System. Passiert dies häufiger, stellt sich ein Gefühl der „Resignation“ ein; denn ein erneuter Versuch könnte wieder zu negativen Stressgefühlen führen. Wer über längere Zeit also keine Selbstwirksamkeit erlebt, entwickelt eine passive und desinteressierte Haltung. Rückzug ist die Flucht, die wiederum zu Isolation führt. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit ist demnach ein wichtiger Faktor zum „glücklich sein“. Selbstwirksamkeit hilft, dass Gehirn „fit“ und interessiert zu halten.

Ein gesunder Umgang mit Stress ist die dritte Säule eines zufriedenen Lebens. Stress hat sowohl eine positive als auch eine negative Seite. Positiver Stress motiviert uns, unsere Zielerreichung zu verfolgen. Er treibt uns an. „Gut“ ist Stress allerdings nur kurzfristig. Je nachdem, wie hoch unsere individuelle Stresstoleranz ist, kann er langfristig sehr schädlich für uns werden. Biologisch gesehen ist Stress die Ausschüttung von Cortisol im Gehirn, dass für aggressives Verhalten verantwortlich ist. Cortisol erhöht außerdem unsere Sensibilität für Stressauslöser; es macht uns aufmerksamer und alarmierter. Stress zieht alle Energie aus unseren Reserven, was neben den psychisch Folgen auch zulasten unserer Körperfunktionen geht. Schlaf, Immunsystem, Verdauung und viele andere Funktionen laufen im „Stressmodus“ nur noch auf Sparflamme.  Wenn die individuelle Toleranzschwelle für Stress dauerhaft überschritten wird, kann er chronisch werden und zu Depressionen sowie Burnout führen. Um ein erfülltes und glückliches Leben zu genießen ist es demnach ultimativ wichtig, dass auf Stressphasen eine Zeit der Erholung folgt.

Das Gefühl von Kohärenz bildet die vierte und letzte Säule des „glücklichen Lebens“. Aus wissenschaftlicher Sicht bedeutet Kohärenz, dass ein oder mehrere Systeme in Harmonie miteinander stehen. Sie „hängen zusammen“ sind einheitlich und stimmig. Funktioniert ein System kohärent, gibt es kaum energetische Streuverluste. Wir Menschen empfinden Kohärenz, wenn wir das Gefühl haben, dass etwas „zusammenpasst“; beispielsweise bei proportionalen Kunstwerken, stimmigen Farbverläufen oder einer harmonischen Melodie. Im Zustand der Kohärenz schwingen unsere Gehirnströme im Gleichtakt und unser Belohnungssystem wird aktiviert. Kohärenz ist jedoch nicht nur in der Kunst zu finden, sie zieht sich nahezu durch alle unsere Lebensbereiche. Immer, wenn ein gewünschter Zustand deckungsgleich mit der tatsächlichen Erfahrung ist und somit Vorstellung und Wirklichkeit übereinstimmen, erfahren wir Kohärenz. Abweichungen, Chaos und Zufall mag unser Gehirn nicht, da dies Energiereserven aufbraucht und Stress verursacht. Es strebt nach Struktur und logischen Zusammenhängen. Kurz gesagt: Je besser die Dinge zusammenpassen, umso besser geht es uns! Denn Kohärenz verursacht ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit. Das Kohärenzbestreben können wir uns auch zunutze machen, indem wir unsere Vorstellungen zur Realität werden lassen. Simpel funktioniert dies beispielsweise, indem wir uns To-Do-Listen machen, die wir schließlich erfüllen.

Zusammengefasst kannst du also auf mehr Zufriedenheit hinarbeiten, indem du zwischenmenschliche Beziehungen pflegst, gezielt nach Erfolgserlebnissen suchst, für einen ausgeglichenen Stresshaushalt sorgst und dir befriedigende Kohärenz-Erlebnisse schaffst. Viel Spaß dabei! 😊

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Kategorie: People & Psychology
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